Französische Philologie in Jena

Die Friedrich-Schiller-Universität verfügt über eine moderne, gut ausgestattete und lebendige Französistik. Als Teil des Instituts für Romanistik versteht sich die Französische Philologie in Jena von Haus aus als interdisziplinäres Fach. Studierende erhalten die Möglichkeit, die französische Sprache und Literatur im weiteren Kontext der romanischen Kulturen zu entdecken. Neben einem exzellenten Betreuungsverhältnis in den Fachwissenschaften sowie im Bereich der Sprachpraxis zeichnet sich die Französistik in Jena durch ihre hohe Internationalität und die enge Kooperation mit universitären und außeruniversitären Partnern sowie anderen Disziplinen wie der Kunstgeschichte oder der Musikwissenschaft aus.

Sprachwissenschaft

Die Zugänge zum wissenschaftlichen Studium der Sprache sind vielfältig. Das Nachdenken über das Wesen von Sprache, darüber, wie sie sich im Laufe der Zeit verändert und die Frage, was die Besonderheiten einer Einzelsprache ausmacht, wie sie aufgebaut ist und was sie in ihrem Innersten zusammenhält, sind Gegenstände der Linguistik. Neben dem Umgang, den der Einzelne und die Gemeinschaft mit der Sprache pflegen, kann die Verbindung von Interesse sein, die Sprache und Kultur, Sprache und Identität miteinander eingehen. Die Sprachwissenschaft macht Werkzeuge und Methoden verfügbar, mit denen sich Sprache systematisch beschreiben und verstehen lässt. Wir befassen uns mit der Geschichte der französischen Sprache, dem Wortschatz und seiner lexikographischen Erfassung, dem Kontakt des Französischen zu anderen Sprachen, der Sprachgeographie sowie den Minderheitensprachen in und außerhalb von Frankreich. Nicht zuletzt schlagen wir eine Brücke zur Übersetzungswissenschaft durch die Beschäftigung mit Fragen des Sprachvergleichs sowie Techniken und Strategien des Übersetzens.

Literaturwissenschaft

Das hohe Prestige, das die Kultur Frankreichs in Mittelalter, Renaissance und Klassik, aber auch in Aufklärung und Moderne genießen, ist von der französischen Literatur nicht zu trennen. Das Lehrangebot in Jena deckt die französische Literatur von ihren frühesten Zeugnissen bis in die Gegenwart ab. Schwerpunkte in Lehre und Forschung bilden die Literatur des 17., 19. und 20. Jahrhunderts. Auch die Francophonie, v.a. die französischsprachige Literatur und Kultur der Karibik und Kanadas, findet Berücksichtigung. Neben literaturgeschichtlichen Überblicksvorlesungen und Seminaren zu kanonischen Autoren und Werken werden auch Seminare zu Fragen der Literaturtheorie sowie interdisziplinäre Veranstaltungen angeboten. In regelmäßigen Gastvorträgen und Kolloquien erhalten die Studierenden Einblick in neue Tendenzen und neue Debatten der Forschung.

Sprachpraxis

Das Institut für Romanistik verfügt im Bereich Sprachpraxis über drei muttersprachliche Lehrkräfte für Französisch. Die sprachpraktische Ausbildung wird in einem umfassenden niveaustufigen Spektrum (B1 bis C1) angeboten. Zu Beginn jedes Wintersemesters findet ein für alle Studienanfänger obligatorischer Einstufungstest statt. Die Ergebnisse dienen dazu, den Studierenden eine ihren Leistungen entsprechende Sprachgruppe zu empfehlen. Der kompetenzorientierte Unterricht setzt sich zusammen aus den vier klassischen Bereichen des Spracherwerbs: Hörverstehen, Leseverstehen, Sprechen und Schreiben. Bei der Vermittlung dieser kommunikativen Fertigkeiten wird Wert darauf gelegt, mit authentischen Materialien zu arbeiten. Ein weiterer Schwerpunkt der Sprachvermittlung liegt im Bereich projektorientierter Seminare. Die Studierenden erhalten die Möglichkeit, weitestgehend in eigener Regie Theateraufführungen, Radiosendungen, Hörspiele, kleine Ausstellungen, Filme bzw. simulierte Welten (Stadtviertel, Firmen, Wohnhäuser) zu gestalten.

Kulturstudien

Die Kulturstudien am Lektorat für Französisch widmen sich den französischen und den frankophonen Kulturräumen (Europa, Nordamerika, Karibik, Maghreb, Subsahel, Indischer Ozean, Ozeanien, Pazifik) in ihrer Verschiedenartigkeit auf der Grundlage einer übergreifenden Methodologie. Diese Methodologie zeichnet sich durch ein hohes Maß an Interdisziplinarität aus. Berücksichtigt werden kulturanthropologische, kulturmediale und kultursoziologische Ansätze: Die mentale Vorstellungswelt einer jeweiligen Kultur wird ebenso untersucht wie das generationsübergreifende kulturelle Gedächtnis. Daneben finden die sozialen Strukturen von Gemeinschaften Berücksichtigung. Unter kulturtheoretischem Aspekt erfolgt auf diese Weise die Klärung des Kulturbegriffes. Die o. g. Ansätze tragen zur Verdeutlichung kulturell hybrider Identitäten bei. Die frankophonen Kulturräume - nicht zuletzt Frankreich - sind nämlich größtenteils das Ergebnis der Kolonialzeit, deren Kenntnis dem Studium jener Kulturräume Aktualitätsbezogenheit verleiht.

Internationale Kontakte

Das Institut für Romanistik kooperiert mit französischen Partneruniversitäten in Amiens, Angers (Université Catholique de l'Ouest), Chambéry/Annecy, Clermont-Ferrand, Lille 3, Lyon 3, Mulhouse, Nizza, Paris 3 (Sorbonne Nouvelle), Paris 8 (Vincennes Saint-Denis), Paris 10 (Nanterre), Rennes und Straßburg. Studierende haben außerdem die Möglichkeit, sich über verschiedene Programme für Studienaufenthalte oder Praktika im Ausland zu bewerben (z. B. über das LEONARDO-Büro Thüringen).

Im Rahmen eines Austauschs mit der École Normale Supérieure in Paris kommen regelmäßig französische ENS-Lektoren nach Jena, um das Lehrangebot zu bereichern. Studierende der Französistik können sich ihrerseits für einen Studienaufenthalt als Erasmus-Studenten bewerben. Grundvoraussetzung ist in diesem Falle eine bereits erworbene Bachelor-Qualifikation. [Nähere Informationen]

Studiengänge

  • Bachelor Romanistik: Französisch als Kern- oder Ergänzungsfach
  • Master Romanische Kulturen in der modernen Welt
  • Lehramt Französisch (Jenaer Modell)
  • Lehramt Drittfach Französisch

Forschungsschwerpunkte

  • Soziolinguistik: Minderheitensprachen, Sprachkontakt
  • Französische Sprachgeschichte
  • Sprachvergleich
  • Übersetzungswissenschaftliche Fragestellungen
  • Aristokratische Schriftsteller der französischen Klassik
  • Französische Moralistik und ihre Rezeption
  • Französische und europäische Romantik, insbesondere Chateaubriand
  • Französische Literatur der Moderne und Postmoderne, insbesondere Baudelaire, Proust und Houellebecq
  • Literarische Darstellung von Stadt und Vorstadt
  • Autobiographie und Autofiktion
  • Autorschaftskonzepte
  • (Inter)Medialität von Literatur und Film
  • Kultur- und Identitätskonzepte der Karibik, insbesondere Laferrière

Sonstiges

Lehrende

Prof. Dr. Edoardo Costadura
Prof. Dr. Claudia Hammerschmidt
Prof. Dr. Marcus Reinfried
Jun.-Prof. Dr. Thomas Scharinger

Diana Di Maria, M.A.
Priv.-Doz. Dr. Karl Philipp Ellerbrock
PD Dr. Michael Heintze
Olivia Mauny, M.A.
Dr. Frédéric Meynier-Heydenreich
Dr. Pauline Moret-Jankus
Dr. Sandra Stuwe

Aktuelle Lehrveranstaltungen

Vorlesungsverzeichnis (Friedolin, Institut für Romanistik)

Spotlight

Chauveau

Zu den berühmtesten Texten der französischen Literatur gehören die ab 1668 erschienenen Fabeln von Jean de La Fontaine. Der Fuchs, der den Raben durch Schmeichelei dazu bringt, seinen Käse fallen zu lassen, ist ein Porträt des Höflings, der die Praxis der flatterie für seine Zwecke zu nutzen weiß. Die Fabeln hat im 17. Jahrhundert François Chauveau illustriert. - Foto: Wikimedia Commons.