Rumänische Sprache und Kultur in Jena

Im Vergleich zu anderen Ländern romanischer Sprache, wie Frankreich oder Spanien, hat Rumänien eine recht junge, dafür sehr dynamische Kultur, eine vielerorts noch gut erhaltene Volkskultur, alles in  einer balkanisch anmutenden Sprache, in der Latein und Französisch und Italienisch auf Slawisch und Türkisch und Ungarisch treffen. Ein Land, in dem Moderne und Tradition und sogar Rückständigkeit Seite an Seite stehen. Ein Land mit bewegter, noch nicht aufgearbeiteter Zeitgeschichte - das einzige europäische Land romanischer Sprache, das Teil des Ostblocks war.

Noch komplizierter ist die Geschichte der Republik Moldau, die im 19. Jh. Teil des Russischen Reichs, in der Zwischenkriegszeit Teil Rumäniens, nach dem 2. Weltkrieg Teil der Sowjetunion und seit 1991 unabhängig ist. Hier ist sogar die Frage nach der Landessprache von politischer Brisanz: Ist es Rumänisch oder doch Moldauisch oder, für die Unentschlossenen im Land, die "Muttersprache"?

Hinzu kommen die rumänischen Minderheiten in der Ukraine, in Ungarn und in Serbien sowie die rumänischen (oder balkanromanischen) Minderheiten in Griechenland, Albanien, Mazedonien.

Es ergibt sich ein Gemisch an historischen, politischen, sprachlichen und allgemein kulturellen Fragen, die sich zu großen Teilen jenseits des traditionellen philologischen Studiums befinden.

An der Friedrich-Schiller-Universität in Jena werden Interessierte an diese Fragestellungen herangeführt und können sie vertieft untersuchen, sei es innerhalb des BA-Studiengangs Romanistik (Rumänisch) oder innerhalb des interdisziplinären BA- und MA-Studiengangs Südosteuropastudien.

In Jena befindet sich die einzige Professur für Rumänisch in ganz Deutschland. Dadurch können wir nicht nur eine höhere Zahl an Veranstaltungen anbieten, die sich mit dem Rumänischen befassen, sondern auch eine besonders gute, persönliche Betreuung der Studierenden garantieren.

Sprachwissenschaft

Die rumänische Sprache befindet sich im Schnittpunkt zahlreicher Einflüsse. Sie stammt aus dem Lateinischen, wurde aber maßgeblich vom Altslawischen beeinflusst und seit dem 19. Jh. durch die starke kulturelle Annäherung an Frankreich erneut "romanisiert". Das schlug sich auch in der Schrift nieder: Rumänisch ist die einzige romanische Sprache, die bis ins 19. Jh. hinein die kyrillische Schrift hatte.

Diese einmalige Entwicklung innerhalb der romanischen Sprachen, ihre historischen und kulturellen Zusammenhänge bilden das Objekt der historisch ausgerichteten sprachwissenschaftlichen Veranstaltungen.

Weitere Fragen sind die Stellung des Rumänischen als Minderheitensprache und die sprachlichen und politischen Probleme der Varietäten, die auf der Balkanhalbinsel gesprochen werden.

Darüber hinaus befassen sich unsere Studierenden in wissenschaftlichen wie in sprachpraktischen Veranstaltungen mit dem Wortschatz, den Wörterbüchern und mit typischen Aspekten der Sprachstruktur.

Literaturwissenschaft

Es ist nicht leicht, in einer begrenzten Zeit das richtige Gespür für eine wenig übersetzte Literatur zu bekommen. Mittels einer Einführung in die rumänische Literaturgeschichte und verschiedener Lektüreübungen versuchen wir, Ihnen den Einstieg in die Literatur des 19. und des 20. Jhs. mit ihren Highlights und Geheimtipps zu vermitteln.

Kulturwissenschaft, Landeskunde

Die Rumänistik in Jena ist mehr als ein "traditionelles" philologisches Studium. Die Rumänischabsolventen sollten vor allem Kenner Rumäniens und der Moldau werden, und dazu sind tiefere Einblicke in die Geschichte und in sozial-politische wie kulturelle Zusammenhänge nötig. Die obligatorischen Einführungen in die rumänische Geschichte und Kulturgeschichte sowie in die Geschichte und Kultur der Rumänen außerhalb Rumäniens bilden die Grundlage dieses Wissens. Durch die kritische Lektüre politischer, wissenschaftlicher und literarischer Texte seit dem 19. Jh. werden Sie das Spannungsfeld zwischen Nationalismus und europäischen Tendenzen in Rumänien besser verstehen.

Sprachpraxis

Das Lektorat für Rumänisch in Jena bietet Ihnen die Möglichkeit einer sprachpraktischen Ausbildung auf allen Niveaus (von A1 bis C1). Sie können also das Studium mit oder ohne Sprachkenntnisse anfangen. Die Kurse der Anfängerniveaus A1 und A2 bestehen aus je 8 Semesterwochenstunden, sodass Studienanfänger das Niveau A2 bereits am Ende des ersten akademischen Jahres erreichen können. In der fortgeschrittenen Sprachpraxis können Sie literarische oder Fachtexte lesen und kommentieren, Einblicke in das erfolgreiche zeitgenössische Kino gewinnen sowie Ihre schriftliche und mündliche Kompetenz ausweiten.

Internationale Kontakte

Die Rumänistik in Jena kooperiert mit den rumänischen Partneruniversitäten in Iaşi, Bukarest, Cluj, und Timişoara.

Studierende haben die Möglichkeit, sich über verschiedene Programme für Studienaufenthalte oder Praktika im Ausland zu bewerben. Im Laufe des BA-Studiums können Sie mithilfe eines Erasmus-Stipendiums ein oder zwei Semester an einer rumänischen Universität verbringen. Diese Semester werden nicht auf die Regelstudienzeit von sechs Semestern angerechnt. 

Studiengänge

Lehrende

Jun.-Prof. Dr. Valeska Bopp-Filimonov
Dr. Victoria Popovici

Aktuelle Lehrveranstaltungen

Vorlesungsverzeichnis (Friedolin, Institut für Romanistik)