Italienische Philologie in Jena

"Alle Träume meiner Jugend seh' ich nun lebendig", schreibt Goethe in der Italienischen Reise über seine Ankunft in Rom am 1. November 1786. Die Beschäftigung mit Italien, seiner Sprache, Literatur und Kultur hat in Mitteldeutschland Tradition. Lange vor der Gründung der Romanistik an der Universität Jena ist Thüringen für seine ausgeprägte Liebe zu Italien bekannt. Im späten 18. Jahrhundert legt die Herzogin Anna Amalia an ihrem nahe gelegenen Weimarer Hof mit der Hilfe ihrer Bibliothekare Christian Joseph Jagemann und Carl Ludwig Fernow eine umfangreiche Sammlung italienischer Bücher an. In Jena macht das Verlagshaus von Carl Friedrich Ernst Frommann neben den Schriften der deutschen Frühromantik auch die Klassiker der italienischen Literatur zugänglich.

Die Friedrich-Schiller-Universität verfügt über eine moderne, gut ausgestattete und lebendige Italianistik. Als Teil des Instituts für Romanistik versteht sich die Italienische Philologie in Jena von Haus aus als interdisziplinäres Fach. Studierende erhalten die Möglichkeit, die italienische Sprache und Literatur im weiteren Kontext der romanischen Kulturen zu entdecken. Neben einem exzellenten Betreuungsverhältnis in den Fachwissenschaften sowie im Bereich der Sprachpraxis zeichnet sich die Italianistik in Jena durch ihre hohe Internationalität und die enge Kooperation mit universitären und außeruniversitären Partnern sowie anderen Disziplinen wie der Kunstgeschichte oder der Musikwissenschaft aus.

Sprachwissenschaft

Die Zugänge zum wissenschaftlichen Studium der Sprache sind vielfältig. Das Nachden­ken über das Wesen von Sprache, darüber wie sie sich im Laufe der Zeit verändert und die Frage, was die Besonderheiten einer Einzelsprache ausmacht, wie sie aufgebaut ist und was sie in ihrem Innersten zusammenhält, sind Gegenstände der Linguistik. Neben dem Umgang, den der Einzelne und die Gemeinschaft mit der Sprache pflegen, kann die Verbindung von Interesse sein, die Sprache und Kultur, Sprache und Identität miteinander eingehen. Die Sprachwissenschaft macht Werkzeuge und Methoden verfügbar, mit denen sich Sprache systematisch beschreiben und verstehen lässt. Die Sprachlehren sowie die sprachphilosophischen Ideen Jagemanns und Fernows sind uns dabei noch heute Inspiration. Wir befassen uns mit der Geschichte der italienischen Sprache, dem Wortschatz und seiner lexikographischen Erfassung, dem Kontakt des Italienischen zu anderen Sprachen, der Sprachgeographie sowie den Minderheitensprachen in und außerhalb von Italien. Nicht zuletzt schlagen wir eine Brücke  zur Übersetzungswis­senschaft durch die Beschäfti­gung mit Fragen des Sprachvergleichs sowie Techniken und Stra­tegien des Übersetzens.

Literaturwissenschaft

Mit den toskanischen Dichtern Dante Alighieri, Giovanni Boccaccio und Francesco Petrarca entsteht in Italien bereits früh eine Literatur in der Volkssprache. Als Vermittlerin der antiken und mittelalterlichen Tradition, aber auch in der Erfindung neuer ästhetischer Kategorien und Ausdrucksformen ist die italienische Literatur für die Herausbildung der europäischen Kultur insgesamt prägend gewesen. Das Lehrangebot in Jena deckt die italienische Literatur von ihren frühesten Zeugnissen bis in die Gegenwart ab. Schwerpunkte in Lehre und Forschung bilden die Literatur des Mittelalters, der Romantik sowie des 20. Jahrhunderts. Neben literaturgeschichtlichen Überblicksvorlesungen und Seminaren zu kanonischen Autoren und Werken werden auch Seminare zu Fragen der Literaturtheorie sowie interdisziplinäre Veranstaltungen mit der Kunstgeschichte oder der Musikwissenschaft angeboten. In regelmäßigen Gastvorträgen und Kolloquien erhalten die Studierenden Einblick in neue Tendenzen und neue Debatten der Forschung.

Sprachpraxis

Das Institut für Romanistik verfügt über zwei Lektorate für Italienisch, die mit Muttersprachlern besetzt sind. Die Lektoren sind für die sprachliche Ausbildung der Studierenden zuständig. Eines der Lektorate wurde von der italienischen Botschaft eingerichtet. Die sprachpraktische Ausbildung wird in ihrem gesamten niveaustufigen Spektrum (von A1 bis C1) angeboten, d.h. auch Anfänger ohne Vorkenntnisse können in Jena problemlos ein Studium der Italianistik aufnehmen. Die Niveaus A1 und A2 werden zum Teil als Intensivkurse angeboten, sodass Studienanfänger der italienischen Sprache die Niveaustufe A2 bereits am Ende des ersten akademischen Jahres erreichen können.

Die Lehrveranstaltungen der italienischen Sprachpraxis am hiesigen Institut für Romanistik befassen sich nicht nur mit der Sprache, sondern im weitesten Sinne des Wortes mit der Kultur Italiens: Neben den rein landeskundlichen Lehrveranstaltungen werden z. B. sowohl Kurse zur zeitgenössischen italienischen Literatur als auch Seminare zum italienischen Kino angeboten. Die Vielseitigkeit der italienischen Sprache kommt besonders zur Geltung durch den Einbezug von Liedern und die Lektüre der aktuellen italienischen Presse als Gegenstand des Sprachunterrichts.

Regelmäßig wird die Möglichkeit angeboten, die Certificazione Italiano Generale (CELI) abzulegen.

Internationale Kontakte

Die Italianistik in Jena kooperiert mit 8 italienischen Partneruniversitäten in Mailand, Neapel, Pisa, Rom, Salerno, Siena, Urbino und Verona. Studierende haben die Möglichkeit, sich über verschiedene Programme für Studienaufenthalte oder Praktika im Ausland zu bewerben.

Studiengänge

Forschungsschwerpunkte

  • Italienische Sprachgeschichte
  • Soziolinguistik: Minderheitensprachen, Sprachkontakt
  • Sprachvergleich, übersetzungswissenschaftliche Fragestellungen
  • Literatur und Kultur des italienischen Mittelalters: Dante Alighieri
  • Italienische und europäische Romantik; Giacomo Leopardi
  • Italienische Literatur des 20. Jahrhunderts
  • Rezeptionsgeschichtliche Fragestellungen

Sonstiges

Italienische Theatergruppe
Italienisch-Stammtisch

Lehrende

Prof. Dr. Edoardo Costadura
Jun.-Prof. Dr. Thomas Scharinger

Diana Di Maria
Priv.-Doz. Dr. Karl Philipp Ellerbrock
Dott. Massimo Minelli
Laura Ulrike Rimmele
Dr. Maria Sauna
Dr. Sandra Stuwe

Aktuelle Lehrveranstaltungen

Vorlesungsverzeichnis (Friedolin, Institut für Romanistik)

Spotlight

Vocabulario della Crusca

Im Jahr 1612 gab die in Florenz gegründete Accademia della Crusca das erste Wörterbuch der italienischen Sprache heraus. Das Wort crusca bedeutet 'Kleie'; es veranschaulicht die lexikographische Tätigkeit der Akademie, das Urteil über die schönsten Wörter. - Foto: Stephanie Rudolph