Exkursionen

Dantes Florenz

Studienreise nach Florenz vom 12. bis 18. Mai 2015

Im 750. Geburtsjahr von Dante Alighieri (1265-1321) reiste eine Gruppe von Studierenden der Italianistik nach Florenz, um sich auf die Spuren des Dichters zu begeben und in seiner Heimatstadt an den Feierlichkeiten teilzunehmen. Auf der Piazza della Signoria treffen die Romanisten auf zahlreiche Freiwillige, die Dantes Göttliche Komödie Gesang für Gesang vortragen. Ein Umzug führt zur Franziskanerkirche Santa Croce, vor deren Portal ein großer Chor den 33. Gesang des Paradiso rezitiert. In seiner Ansprache vor dem Rathaus erklärt Bürgermeister Dario Nardella: "Ohne Dante wären wir weniger reich im Herzen und im Geist."

Dante wurde 1265 in Florenz geboren und ein Jahr später im Baptisterium des Doms Santa Maria del Fiore getauft. Bereits als 18jähriger schrieb der Freund des Dichters Guido Cavalcanti Sonette, die später in die Vita nova eingehen sollten. 1295 trat Dante in die Zunft der Ärzte und Apotheker ein und Florenzbegann eine erfolgreiche politische Laufbahn in Florenz. Während er 1301 in Rom Gespräche mit dem Papst führte, verschaffte sich das gegnerische Lager der schwarzen Guelfen Einlass nach Florenz, um die Stadt unter päpstliche Kontrolle zu bringen. Als weißer Guelfe wurde Dante enteignet, seiner Ämter enthoben und verbannt. Am 10. März 1302 wurde er in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Sein Hauptwerk, die Divina Commedia, entstand während seines Exils in Oberitalien.

In Florenz erinnern zahlreiche Bauten an den Dichter. Die Studierenden besichtigten die Kirchen Santa Maria Novella und Santa Croce, deren Ordensschulen Dante um 1291 besuchte, den Bargello-Palast, in dem die Prioren seit 1282 ihren Sitz hatten, sowie die Kirche Orsanmichele, an deren Fassade die Schutzpatronen der Zünfte bewundert werden können. Neben den Uffizien, in denen das Dante-Bildnis von Andrea del Castagno zu sehen ist, sowie der Höllendarstellung in der Strozzi-Kapelle, die in der Mitte des 14. Jahrhunderts von Rosso di Geri Strozzi und Nardo di Cione geschaffen wurde, galt besondere Aufmerksamkeit dem berühmten Gemälde von Domenico di Michelino im Florentiner Dom, das Dante neben den Stadtmauern von Florenz vor den drei Jenseitsreichen zeigt, in der Hand die geöffnete Divina Commedia. Einen Höhepunkt bildete die traditionelle Lectura Dantis im Palazzo dell'Arte della Lana, dem Sitz der Società Dantesca Italiana.

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Die Studienfahrt unter der Leitung von Dr. Karl Philipp Ellerbrock wurde durch das Dekanat der Philosophischen Fakultät sowie die Gesellschaft der Freunde und Förderer der Universität Jena gefördert.


Die Erfindung der Metropole

Studienreise nach Paris vom 27. April bis 4. Mai 2014

Die Exkursion führte eine Gruppe von 13 Studierenden der Romanistik für eine Woche in die Hauptstadt Frankreichs. Das Programm widmete sich der künstlerischen Darstellung und ästhetischen Reflexion der Metropole in der französischen Literatur und Kunst des 19. Jahrhunderts.

In der Chambre de Mazarin erhielten die Studierenden durch eine Konservatorin der Bibliothèque nationale de France eine Einführung in das Werk Honoré Daumiers, der Szenen des Pariser Lebens in Karikaturen festgehalten hat. Im Sitzungssaal des Hôtel Lully präsentierte die Kunsthistorikerin ParisPascale Cugy eine Auswahl von Arbeiten des Radierers Charles Meryon, dessen Blick auf Paris durch eine exakte Wiedergabe architektonischer Elemente einerseits, das Eindringen des Phantastischen in die Darstellung andererseits geprägt ist. Im Musée d'Orsay wurde die Gruppe durch die neue Abteilung für Architektur geführt und erhielt in einer Besichtigung des Dokumentationszentrums einen Blick hinter die Kulissen des Museums.

Den Höhepunkt bildete eine öffentliche Vortragsreihe zum Exkursionsthema im Deutschen Forum für Kunstgeschichte. Jean-Claude Bonnet, Professor an der Sorbonne, sprach über das Paris des Frühaufklärers Louis Sébastien Mercier, dessen Tableau de Paris (1781) eine neue Gattung der Stadtdarstellung begründet hat. Robert Kopp, Professor an der Universität Basel, erläuterte in seinem Vortrag Paris-Bilder von Charles Baudelaire, Édouard Manet, Honoré Daumier und Constantin Guys an der Schnittstelle von Literatur und bildender Kunst. Professor René-Marc Pille von der Universität Paris 8 Vincennes-Saint Denis sprach über Heinrich Heine als Sänger der Pariser Urbanität. Abschließend wendete sich der Schriftsteller und bildende Künstler Gilles Plazy dem Paris der Surrealisten zu.

Auf dem Programm standen eine Führung durch das Musée du Louvre sowie ein Rundgang durch das Viertel Nouvelle Athènes. In der Bibliothèque nationale de France erhielten die Studierenden aus erster Hand eine Einführung in die Nutzung digitaler Angebot wie des Portals Gallica. Die Reisegruppe aus Jena nutzte die Gelegenheit auch zu einer Begegnung mit Studierenden der École normale supérieure, die mit dem Institut für Romanistik seit Jahren eine Partnerschaft unterhält. Zu diesem Gespräch fanden sich auch die ehemaligen ENS-Lektoren Sophie Picard und François Vassogne in der Rue d'Ulm ein.

Die Exkursion unter der Leitung von Dr. Karl Philipp Ellerbrock wurde den Deutschen Akademischen Austauschdienst gefördert. Auch das Dekanat der Philosophischen Fakultät sowie die Gesellschaft der Freunde und Förderer der Universität Jena unterstützten die Reise. (Abbildung: Charles Meryon, Abside de Notre Dame, Radierung 1850-54, Wikimedia Commons)